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… eine Fortsetzungssatire …
Soviel Zitat muss sein! Die lieben Nachbarn Die Bescherung Der geträumte Clou
{ Für diejenigen Leser, die mit den Gegebenheiten der Region Memmingen nicht so vertraut sind: Hier die Adresse des Regionalflughafens: allgaeu-airport.de Die Gründerkommanditisten und Kommanditisten sind in der Rubrik „Unternehmen Flughafen/Gesellschafter am Allgäu Airport“ zu finden }
Soviel Zitat muss sein!
[ Parallelen zum Airport
Zum Artikel „Eintritt in die Moderne“ vom 7.Dezember. Dabei ging es um den Beginn des Eisenbahn-Zeitalters in Memmingen.
Schön, dass 175 Jahre Bahn als „Eintritt in die Moderne“ berichtet werden. Schön, dass positiv rüberkommt, dass „die Stadt und einige Kaufleute den Eisenbahnbau“ selbstständig finanziert haben. Schade, dass keine Parallele zum Allgäu Airport gezogen wird, der analog initiiert und finanziert wird. 1835 wurden auch Steuergelder für „die Moderne“ eingesetzt, und ein sensationelles Geschäft ist die Bahn nach 175 Jahren nicht. Schade, dass keine Bedenkenträger von 1835 zitiert werden. Immerhin machten diese Loks viel Lärm und Dreck, und für die nachfolgenden Missbildungen bei Mensch und Vieh beschuldigten damalige Experten die Bahn. Für die Bedenkenträger 2010 habe ich eine gute Nachricht: Sie werden ein langes Leben haben und 2185 nicht vergessen sein. Wolfgang E. Schultz, Memmingen ]
{Quelle: Leserbrief an die Memminger Zeitung (13 oder 14.12.2010, Seite 28) von Wolfgang E. Schulz}
Die lieben Nachbarn
Angenommen sie sind umgezogen, planen eine Einweihungsparty, sind auch sonst sehr umtriebig und wissen, dass es schon mal laut und sehr lang wird. Angenommen sie haben Nachbarn. Sie kennen sie nicht. Würden sie dann nicht zu ihnen gehen, sich vorstellen und sagen: „Also ich bin hier neu eingezogen, plane eine Einweihungsparty, bin auch sonst sehr umtriebig, es wird schon mal laut und sehr lang“. … oder so ähnlich. Angenommen ihr Vormieter/-besitzer war ein richtiger Rabauke, so einer von der übelsten Sorte, scherte sich einen Dreck um die Nachbarn. Angenommen sie hätten davon gewusst. Kämen sie dann auf folgenden Gedanken?: „Also meine neuen Nachbarn sind ja schon einiges gewöhnt, mein Vormieter/-besitzer war ja ein richtiger Rabauke, einer von der übelsten Sorte, was soll ich da zu meinen Nachbarn gehen, mich vorstellen und sagen: ´Also ich bin hier neu eingezogen, plane eine Einweihungsparty, bin auch sonst sehr umtriebig, es wird schon mal laut und sehr lang´ “. … oder so ähnlich … .
Die Bescherung
Ein Blick auf den Fußboden von Wohnzimmer und Esszimmer, übersät mit unzähligen Bauklötzen und Legosteinen, Puzzeln, Wimmel- und Pixibüchern, Farbstiften und Markern, war Grund genug sich Gedanken über das anstehende Weihnachtsfest zu machen. Bei einem Geschenkpotential von an die 30 Einheiten könnte es bei einer fast 2-Jährigen leicht zu einem Barbie- und Puppen-Inferno ausarten. Es galt also etwas Struktur in die Tradition des Schenkens zu bringen. Und was lag näher bei einem 175-jährigen Jubiläum,- das der Eisenbahn! Genau: eine Spielzeugeisenbahn. Vorgespräche wurden geführt, bei Treffen bewusst das Thema auf Weihnachtsgeschenke gelenkt. Es galt Überzeugungsarbeit zu leisten. Nicht jeder lies sich auf Anhieb begeistern,- so manch ein Bedenkenträger nur mühsam und einige wenige gar nicht. Ein logistisches Problem musste gelöst werden, Aufgaben verteilt werden, es konnte ja nicht jeder für sich alleine planen, - kurz um: Ein Konzept musste aufgestellt werden. Eine Modelleisenbahn hat viel mit Gestaltung zu tun. Draht und Pappe für die Struktur der Landschaft und zum Tunnelbau. Gebäude, vielleicht ein beleuchtetes Hotel mit einem Biergarten und einem Park mit wuchtigen Bäumchen (dafür bewarben sich sogar zwei Protagonisten); wie sollte die Gleisführung verlaufen und überhaupt wie groß sollte die Anlage eigentlich werden. Auch die Technik kommt nicht zu kurz. Vom Maschinenbau bis Elektronik, die ganze Palette von technischem Know How spiegelt sich in so einer Modellbahn wieder. Kleine Rädchen die sich drehen, Zahnrädchen die ineinandergreifen, ein Anker der in einer Spule aus Kupferdraht durch die elektroschwache Wechselwirkung in Bewegung versetzt wird,- insgesamt betrachtet für eine fast 2-Jährige pädagogisch absolut vollwertig.
Eigentlich müsste Kinderspielzeug ja von der Steuer absetzbar sein, so in der Art wie bei „Kosten für Fort- und Weiterbildung“ in der EkSt-Erklärung. Oder es sollte Subventionen geben, aber in diesen Geldtöpfen stehen längst andere und machen fette Beute.
Nach dem ersten Besuch in einem Modellbaufachgeschäft stand allerdings fest, dass es fürs erste über ein Starterkit mit ein paar Gleisen extra wohl nicht hinausgehen würde. Aber ein modularer Aufbau einer Modellanlage hat schließlich auch seine Vorzüge. Es schont fürs erste den Geldbeutel und man kann sich für jedes Jahr etwas Neues einfallen lassen. Und genau dies ist ja der Reiz einer Anlage ... ja, wenn ... wenn da nicht die lieben Nachbarn wären …
Der geträumte Clou
Man stelle sich mal vor, unser Rechtssystem ließe sich in ein wissensbasiertes System in Kombination mit Aussage- und Fuzzylogik fassen, natürlich mit ein paar Axiömchen, denn so ganz ohne Annahmen, die zwar nicht bewiesen werden können, sich jedoch im Allgemeinen immer als richtig oder wahr herausgestellt haben, geht es halt doch nicht. Wenn zwei sich nun „streiten“, treten sie einfach vor das Rechts-Terminal des entsprechenden Gerichts; der eigentliche Supercomputer selbst, nennen wir ihn Platon2 (denn Platon sah auch eine Realität zwischen wahr und falsch), steht natürlich irgendwo an einem geheimen Ort. Eine Fachkraft für computerwissensbasiertaussagefuzzylogikunterstütztes Recht (auch Fuzzlrechtspflegefachkraft genannt, abgekürzt Fuzzler) füttert ihn über das Terminal mit allen Daten, Anträgen und Beweisen, Gutachten und was sonst noch alles in unserem „computerwissensbasiertaussagefuzzylogikunterstützten“ Rechtssystem für ein rechtstaatliches Verfahren so alles nötig ist, drückt eine Taste, nennen wir sie Taste1, ein paar Leuchtdioden am Terminal fangen zu blinken an, zuerst langsam, dann immer schneller, dann wieder langsam, noch langsamer und dann leuchten alle auf einmal: Das Ergebnis! Wenn es mal gar nicht zu blinken aufhört, so nach einer Stunde, einem Tag, einer Woche, einem Monat oder einem Jahr, dann hat sich das Programm unseres „computerwissensbasiertaussagefuzzylogikunterstützten“ Rechtssystems in den programmatischen Rekursionsvertiefungen seines Algorithmus elendig verfangen und die Fuzzlrechtspflegefachkraft muss, wenn sie nicht schon eingeschlafen ist (wenn ja, muss man sie halt wecken), auf den Resetknopf drücken und all die Daten müssen von neuem eingegeben werden. Verzweifelte Proteste der einen oder anderen Partei, doch noch eine Stunde, einen Tag, eine Woche, einen Monat, oder noch ein Jahr zu warten, tut diese aber dann mit einem stummen Kopfschütteln ab und fügt leise, kaum hörbar und wie es scheint leicht resignierend hinzu, dass seine Kinder in der Zwischenzeit schon eine Stunde, einen Tag, eine Woche, einen Monat oder ein Jahr älter geworden sind und er nun endlich wieder mal nach Hause müsse. Aber das Programm hat in unserem Fall zu einem Urteil gefunden. Alle Leuchtdioden leuchten, die Fuzzlrechtspflegefachkraft ist zwischenzeitlich (trotzdem) eingeschlafen und muss geweckt werden; sie drückt auf eine Taste, nennen wir sie Taste2 und eine wohltemperierte Stimme ertönt aus der 36-Kanal-Dolby-Surroundanlage und verliest erst das Urteil, dann die Begründung und erst im Anschluss erfolgt, nach dem Drücken einer Taste, nennen wir sie „Taste3“, der schriftliche Ausdruck, denn auch in unserem „computerwissensbasiertaussagefuzzylogikunterstützten“ Rechtssystem muss alles formal richtig zugehen. „Im Rechtsstreit zwischen `…` und `…` (die Namen können natürlich aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht veröffentlicht werden), ergeht folgendes Urteil: Die Klage des Klägers wird abgewiesen. Begründung: Der Antrag ist verjährt, er wurde nicht innerhalb der Fünf-Jahresfrist gestellt …“. Die beklagte Partei grinst wohlgefällig und beglückwünscht sich, der Fuzzlrechtspflegefachkraft sieht man die Müdigkeit an, schließlich hat sie eine Stunde, einen Tag, eine Woche, einen Monat oder ein Jahr vor dem Rechts-Terminal gesessen. „… auch das Ausbleiben der in der Betriebsgenehmigung vorgeschriebenen Schallpegelmessung bewirkt keine Verlängerung …“. Der Fuzzlrechtspflegefachkraft fällt kurz das rechte Auge zu … „… es hätte ja die Möglichkeit zur Klage innerhalb der Fünf-Jahresfrist gegen das Ausbleiben bestanden …“. Die Taste3 blinkt im Rhythmus zum Text auf dem Bildschirm. Darauf steht: „Bitte Taste3 noch nicht betätigen“. Die Beklagten schütteln sich euphorisch die Hände. „… eine zu einem späteren Zeitpunkt festgestellte höhere Schallimmission wie die im Gutachten zur Betriebsgenehmigung bewirkt zwar eine Änderung der Schallschutzzonen, jedoch nach … „ – es folgt eine ziemlich lange Liste von Paragraphen und Absätzen, und dies in so einem rasanten Tempo, dass an eine Nachverfolgung nicht zu denken ist – „… keinen Anspruch auf …“. Jubel bricht aus, Sektkorken knallen, die 36-Kanal-Dolby-Surroundanlage schaltet automatisch zwei Stufen höher. Die Fuzzlrechtspflegefachkraft lässt sich davon jedoch nicht irritieren und ihr fällt kurz das linke Auge zu. „… ansonsten wird dem Kläger auferlegt, während der Flugzeiten seine Kinder nicht mehr ins Freie zu lassen, ferner …“ Infernalischer Jubel bricht aus, das erste Lied wird gesungen. „… die Hände zum Himmel … (usw) …“. Die 36-Kanal-Dolby-Surroundanlage schaltet abermals automatisch zwei Stufen höher. Ein zartes Wispern mischt sich, einer phasenverschobenen Schallwelle gleich, zwischen die wohltemperierte Justizstimme und den Partygeräuschen - und die werden dadurch deutlich leiser. Der Fuzzlrechtspflegefachkraft fallen beide Augen zu. Taste3 blinkt. „Tsuug, Tsuug“, wispert es, „Tsuug, Tsuug“. Die Fuzzlrechtspflegefachkraft verliert endgültig die „Contenance“, der Kopf kippt nach vorn und die Stirn auf Taste3. Aus der zuvor noch wohltemperierten Stimme wird ein verlangsamtes tief dunkles Gequake und der Ton verliert sich mitten in einem Wort. Der Kopf der Fuzzlrechtspflegefachkraft ruckt nach oben und sie blickt mit weit aufgerissenen Augen auf dem Bildschirm vor sich. Dort steht - und eine 70iger-Jahre Computerstimme blechert es aus einem Reservelautsprecher:
Unerwarteter Ausnahmefehler … Die Benützung des Systems war nicht gemäß den Anweisungen der Hersteller!
Die Beklagten sind fassungslos, Sektgläser und Flaschen fallen zu Boden, einige Winkeladvokaten verbeißen sich in ihre Ledertaschen, zwei versuchen sich gegenseitig an den Krawatten nach oben zu ziehen, doch ihre Arme sind zu kurz. „Tsuug, Tsuug“, wispert es, „Tsuug, Tsuug“. Ahh … Zug, Zug … Willkommen zurück im Spiel! „Rosinante“ ist wieder entgleist – zu viele Fuzzl auf den Gleisen. „Einer“ und „Tiger“ sind vom offenen Güterwagon gefallen. Ja, für eine fast 2-Jährige ist so eine Spielzeugeisenbahn pädagogisch absolut vollwertig und ob Platon2 nach vollumfänglicher Überprüfung seiner verschwommenen Logikeinheit auf Rechtstauglichkeit wieder in Betrieb gehen wird ist fraglich.
{Fortsetzung folgt}
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